AGİF: Demo in Gedenken an Oury Jalloh und alle Opfer rassistischer Polizeibrutalität

AGIF-Sari3.CDRULM (05.01.2014)- Demo in Gedenken an Oury Jalloh und alle Opfer rassistischer Polizeibrutalität

Dienstag, 7. Januar 2014, 14:00 Uhr

Hauptbahnhof Dessau-Roßlau

Am frühen Morgen des 7. Januars 2005 wird Oury Jalloh nach einer rassistischen Kontrolle durch die Polizei in Dessau in Gewahrsam genommen. Ohne richterliche Entscheidung und gegen rechtsstaatliche Grundsätze wird ihm die Freiheit geraubt.

Er wird in der Polizeizelle Nr. 5 im Keller des Polizeireviers an Händen und Füßen gefesselt. Zuvor wurde er wahrscheinlich brutal zusammengeschlagen. Gegen Mittag verbrennt Oury Jalloh bei lebendigem Leib, auf einer feuerfesten Matratze, in einer gefliesten Zelle, binnen kürzester Zeit bis zur Unkenntlichkeit … in den Händen der Polizei im Revier Wolfgangstrasse, Dessau-Rosslau, Sachsen-Anhalt … Deutschland, Europa.

Sein Vergehen: Er war schwarz, er war ein Flüchtling, aus Sicht der Polizei ein Untermensch!

Die ermittelnden Behörden setzten von Beginn an alles daran, die Wahrheit um seinen Tod zu verbergen. Beweismaterialien wurden vernichtet. Kriminaltechnisch notwendige Untersuchungen wurden unterlassen. Die Familie selbst musste eine unabhängige Autopsie in Auftrag geben, um zu erfahren, dass seine Nase und sein Mittelohr gebrochen worden waren. Vor allem aber wurde seitens des Innenministeriums von Sachsen-Anhalt eine Hypothese erstellt, hinter der die beteiligten Beamten bis hin zu den vermeintlich „unabhängigen“ Richter_innen auf Linie getrimmt wurden: Oury Jalloh hätte sich angeblich selbst angezündet. Neue Beweise wurden konstruiert: Ein Feuerzeug made in Germany wurde erfunden, um zu beweisen, dass er sich angezündet habe. Damit wurde die Öffentlichkeit von Anfang an und insbesondere von der Staatsanwaltschaft Dessau hinters Licht geführt. Alle Freunde und interessierte Menschen, die Aufklärung und Gerechtigkeit forderten, wurden und werden physisch und psychisch bedroht und juristisch verfolgt. Mouctar Bah wurde unter dubiosen Begründungen die Genehmigung für sein Telecafe, den einzigen Treffpunkt für afrikanische Menschen in Dessau und mithin seine materielle Lebensgrundlage, entzogen. Nazis, Freunde der Polizei in Dessau, wurden auf ihn gehetzt.

Oury Jalloh – das war Mord! Diese Parole wurde von uns Jahr für Jahr und Millimeter für Millimeter gegen massive Widerstände in Dessau verteidigt. Jedem von der Polizei konfisziertem Transparent folgten neue. Die Parole wurde deutschlandweit zum Synonym für rassistische Polizeistrukturen und der Verstrickung ganzer Behördenapparate mit der Polizei und staatlich geschützten Nazistrukturen. Der Kampf für Aufklärung, Wahrheit und Aufdeckung des rassistischen Mordes an Oury Jalloh hat in dieser Gesellschaft vieles dazu beigetragen, dass mittlerweile die Zweifel an der angeblichen Neutralität der Polizei und Staatsanwaltschaft auch schon vor dem Bekanntwerden der NSU-Staatsapparat-Beziehungen gewachsen sind.

Jeder von uns, die oder der die rassistische Politik und die willkürliche und rassistische Polizeiübergriffe nicht länger hinnehmen will, ist aufgerufen nach Dessau zu kommen, an dem Ort, wo ein Mensch aufgrund seiner Hautfarbe verbrannt worden ist. Lasst uns auch am 7. Januar 2014 erneut und wieder in Dessau unsere praktizierte Solidarität der letzten 9 Jahre demonstrieren. Lasst uns gemeinsam im Gedenken an Oury Jalloh an alle Toten denken, die in Deutschland Opfer rassistischer Polizeigewalt geworden sind: Laye Konde, Dominique Kouamadio, Maryama Sarr, Halim Dener, Zdravko Nikolov Dimitrov, Christy Omordion Schwundeck und viele andere mehr.

Der Kampf für Gerechtigkeit im Falle Oury Jalloh bedeutet der Kampf mit dem System, der tagtäglich Rassismus und Unterdrückung produziert.

Gegen koloniales Unrecht

Oury Jalloh – Das war Mord!

AGİF

FÖDERATION DER ARBEITSIMMIGRANT/INNEN IN DEUTSCHLAND e. V.